Tagungsbeitrag
Untermann, Matthias:
Die Fundstellen der Fragmente und ihre Gruppierung
Zahlreiche Stuckfragmente wurden zwischen 1870 und 2006 bei Bauarbeiten und Ausgrabungen im Untergrund der Michaeliskirche gefunden, viele weitere bei Bausicherung und Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geborgen. Für die meisten Fragmente lassen sich Funddatum und Fundort wenigstens grob bestimmen. Die vorgeschlagene Gruppierung der erhaltenen und verlorenen, durch historische Abbildungen überlieferten Fragmente beruht auf der Objektgeschichte, auf Material und Polychromie sowie auf stilistischen und ikonografischen Kriterien.
Die erst 1945 zerstörten Seligpreisungen und Friese im südlichen Seitenschiff sind durch viele Fotos überliefert; dies erlaubt sichere Zuweisungen der erhaltenen Fragmente. Für die anderen ist nur eine hypothetische Zuordnung zu ehemaligen Stuckdekorationen möglich, insbesondere zur 1622 zerstörten südlichen Chorschranke des Westchors und zur 1566 abgebrochenen östlichen Abschrankung dieses Bereichs. Weitere Fragmente stammen wohl von ehemaligen Stuckdekorationen an den Südwand des Südseitenschiffs und aus dem Umfeld des östlichen Hochaltars.
Prof. Dr. Matthias Untermann ist Kunsthistoriker und Mittelalterarchäologe, 1985–99 Mittelalterarchäologe und Bauforscher am Landesdenkmalamt Baden-Württemberg; 2000–24 Professor für Europäische Kunstgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Arbeitsschwerpunkte: Architektur und Archäologie der kirchlichen Gemeinschaften; Architektur des frühen und hohen Mittelalters und ihre Ausstattung; mittelalterliche Urbanistik.