Tagungsbeitrag

Fiedler, Christine; Buchholz, Ralf:

Dem Chorgestühl auf die Beine helfen… Kunstharzvolltränkung von Holzbauteilen als letzte Chance!

Der Beitrag stellt die Umsetzung einer großangelegten Festigungsmaßnahme im Rahmen eines mehrjährigen Restaurierungsprojektes der Studienrichtung "Möbel und Holzobjekte" vor. Im Fokus stehen Material- und Methodenfindung, Kontrollverfahren und die Ergebnisse der Maßnahme einschließlich ihrer Bewertung.
Bei dem bearbeiteten Objekt handelt es sich um ein Chorgestühl, geschaffen um 1537, aus der Wehrkirche in Tobsdorf/Rumänien. Das aus zwei Sitzabfolgen bestehende Objekt konnte 2010 zwecks Forschung und Erhaltung in die Restaurierungswerkstatt der HAWK übernommen werden.
Das von ungünstigen Klimaeinflüssen und Schadinsekten sehr stark gezeichnete Kirchenmöbel war rund 500 Jahre im Chor der Kirche aufgestellt, bevor es 2003 abgebaut und zerlegt in seine Einzelteile unter schlechten Bedingungen zwischengelagert wurde.
Bereits im Vorfeld des Transportes der beiden Gestühle von Rumänien nach Hildesheim zeigte sich der massive Abbau der Holzsubstanz des Lindenholzes als gravierendstes Schadensbild des Objektes. Die widrigen Umgebungsbedingungen führten dazu, dass die Holzsubstanz des Chorgestühls, besonders in bodennahen Bereichen, stark geschwächt und stellenweise unwiederbringlich zerstört bzw. bereits verloren gegangen war. Um das Ziel des Restaurierungsprojekts, den Wiederaufbau der Gestühle, erreichen zu können, kamen entsprechend des massiven Schadens umfangreiche Festigungsmaßnahmen zum Einsatz.
Ende 2010 wurden erste Versuche mit Festigungsmitteln und deren Einbringmethoden unternommen. Es wurde entschieden, eine Festigung mit gelöstem Acrylharz (Degalan P28, gelöst in Xylol und Siedegrenzbenzin (SGB) 100-140°) an den tragenden Bauteilen des Gestühls vorzunehmen, die aufgrund ihrer Schädigung ihre konstruktive Funktion nicht mehr erfüllen konnten. Die Einbringmethode entwickelte sich vom punktuellen Injizieren des Festigungsmittels per Spritze oder Pipette über Einstelltränkungen bis hin zu Einlegetränkungen, kombiniert mit dem lokal begrenzten Einsatz von Epoxidharz. Durch die Kontrolle mittels Computer-Tomografie und Bohrwiderstandsmessungen war es möglich, das Material und die Methode stetig neu zu bewerten und zu optimieren, sodass schlussendlich der Erhalt des im vollständigen Verfall begriffenen Sakralmöbels unter Bewahrung größtmöglicher Originalsubstanz sichergestellt werden konnte. Bei dem in diesem Jahr beginnenden Wiederaufbau des Chorgestühles müssen sich nun die gefestigten Bauteile bewähren…

Help the choir stalls back on its feet…
Consolidation with synthetic resin of wooden elements as the last option!


This paper gives an overview of a complex ongoing conservation and stabilization project undertaken by students of the course “conservation of furniture and wooden objects”. At the core of the project are the definitions of the methods and materials, control procedures and the results, including the interpretation and valuation.
The processed object is a choir stall from 1537, located in the village church in Tobsdorf/Transylvania/Romania. This object, consisting of two rows of seats, was transferred to the workshop of the HAWK for research and conservation. Having been left in the choir of the church for about 500 years, the choir stalls were dramatically damaged by unhealthy climate, fungal decay and insects. In 2003 it was taken down, separated into parts, and stored temporarily under unfortunate conditions.
In preparation for the transport of the two stalls from Romania to Hildesheim, it appeared that the degradation of the lime-wood represented the worst part of the damages. The adverse conditions of the environment led to irreparable damages and partial loss of the wood material, mostly in the lower parts of the choir stalls. To achieve the main goal of the project - namely the reconstruction of the stalls - and due to the important damages, complex conservation methods were required.
At the end of 2010, initial experiments with conservation liquids were made. It was decided to conserve the load-bearing parts of the stalls with acrylic resin (Degalan P28, dissolved in xylene and boil-petrol 100-140°), since they could not fulfill their constructive function anymore. The methods of consolidation changed from small local injections to a complete impregnation of some parts, combined with a local use of epoxy-resin. Computer-Tomography and measurements of the drilling-resistance made it possible to reevaluate and optimize the material and methods, so that in the end it was possible to completely conserve the object by saving as much original material as possible. This year, the consolidated parts will begin to go through the test of rebuilding the choir stalls.

Christine Fiedler ist Absolventin des Studiums der Konservierung und Restaurierung von Möbeln und Holzobjekten der HAWK (2013) und ist seitdem als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte der Hochschule sowie als Restauratorin für das Landesmuseum Hannover tätig.
Bereits während ihres Studiums befasste sie sich im Rahmen des
Forschungs- und Restaurierungsprojekts "Tobsdorfer Chorgestühl" intensiv mit struktureller Holzfestigung, besonders mit der Nachkontrolle mittels Computertomografie. Als Mitarbeiterin der Hochschule verfolgte sie diese Themen weiter und konnte über 8 Jahre hinweg wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse zur Festigung von durch Schadinsekten stark abgebautem Holz sammeln.

In 2013 Christine Fiedler became a graduate in the master programme of Conservation and Restauration, specialising in furniture and wooden objects, at the HAWK. Since then she’s working as a research assistant and lecturer at the university, while simultaneously laboring as a conservator of the Landesmuseum Hannover. During her studies, she was involved in the research project "Tobsdorfer Chorgestühl" and focused on structural consolidation of wood, especially the check of results by computer tomography. As an employee of the university she continued to pursue this topic. During a span of 8 years of research she was able to gain valuable experiences and knowledge about the consolidation of wood heavily degraded by insects.

Seit 1992 ist Ralf Buchholz als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Werkstattleiter an der HAWK Hildesheim in der Möbelrestaurierung tätig. Zuvor absolvierte er nach einer Tischlerlehre ein vierjähriges Volontariat im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. 2001 folgte in Hildesheim der Abschluss als Diplom-Restaurator und 2015 promovierte er in Holzbiologie an der Universität Hamburg über spätgotische Gestaltungsmuster im Holz.
Seit 2003 gehören jährliche Studienfahrten und Konservierungsworkshops unter seiner Mitwirkung in Siebenbürgen zum Studienablauf. Im Rahmen dessen wurde ein vollkommen desolates Chorgestühl nach Hildesheim transportiert, konsolidiert und restauriert.

Since 1992 Ralf Buchholz is a research assistant in the conservation workshop for furniture and wooden objects at the HAWK Hildesheim. Started as a joiner he worked four years as a volunteer in the Germanisches Nationalmuseum Nürnberg. In 2001 he obtained his diploma in conservation and finished his PhD about late gothic wooden design patterns at the Hamburg university in 2015.
In 2003 he started to assist yearly researches and conservation-workshops in Transylvania. Part of this project was the transport, consolidation and conservation of these choir stalls in Hildesheim.