Tagungsbeitrag

D’ham, Gerhard:

Ist Schiefer konservierbar? Versuche zur Erhaltung des Wandbehanges am Mönchehaus in Goslar

Der lokale Goslarer Tonschiefer ist als Dachdeckung und Wandbehang stadtbildprägend für die zum UNESCO Weltkulturerbe zählende Goslarer Altstadt. Das Plattenmaterial zeigt eine charakteristische und abwechslungsreiche mittelgraue bis hellbraune Farbigkeit, wird aber seit den 1960er Jahren nicht mehr abgebaut. Bei Instandsetzungsmaßnahmen werden schadhafte Schieferdeckungen durchweg durch neuen Schiefer ersetzt. Hierdurch ändert sich das Erscheinungsbild der Bauwerke und des Stadtbildes, weil die Ersatzschiefer meist anthrazitfarbig sind.
Dank Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU-Modellprojekt 32059-45 "Entwicklung und modellhafte Anwendung von Konservierungsstrategien zum Erhalt anthropogen geschädigter Schieferwandbehänge am Beispiel der Fassade des Mönchehauses in Goslar") können nun an einem der ältesten noch erhaltenen Wandbehänge der Stadt Goslar vom Mönchehaus erstmals systematische Konservierungsversuche an Schiefer durchgeführt werden. Der aus dem 17. oder 18. Jhd. stammende Behang musste wegen Sanierungsbedarfs der Fachwerkunterkonstruktion und Verkehrsgefährdung abgenommen werden. Im Rahmen des interdisziplinären Projektes soll ein Verfahren zur Konsolidierung der Schieferplatten entwickelt und angewendet werden. Ziel ist die Wiederanbringung des konservierten Behangs bis 2018.
Der Goslarer Schiefer besteht überwiegend aus einem feinstkörnigen Gemisch von Glimmer- und Tonmineralen (rund 90 %) sowie Anteilen von Quarz, Karbonat und Pyrit. Der Schadensprozess beginnt mit der Neubildung von Gips durch langjährige Einwirkung von SO2 und Feuchtigkeit auf den calcitführenden Schiefer. Die ursprünglich dichten Gefüge zeigen als charakteristische Schadensform eine oberflächenparallele Aufspaltung mit stark variierenden Spaltweiten zwischen 1 und 300 µm.
Die Konsolidierungsversuche werden an besonders stark geschädigten und als nicht wieder verwendbar eingestuften Platten durchgeführt, die in 4 cm schmale Streifen zerschnitten wurden. Ziel ist eine möglichst vollständige Durchtränkung und kraftschlüssige Überbrückung aller Spalträume. Die Badtränkungen erfolgten mit verschiedenen Kunstharzen und siliciumorganischen Bindemitteln mit und ohne Unterdruckunterstützung. Konservierungseffekte werden durch vergleichende Messungen von Ultraschallgeschwindigkeit, Wasseraufnahme und Zugfestigkeit, phänomenolgische Untersuchungen und Dünnschliffmikroskopie festgestellt. Die Dauerhaftigkeit wird nach künstlicher Bewitterung (Frost-Tau-Wechsel, QUV-Test, Temperaturschockverfahren) und Freibewitterung überprüft.
Die bisher besten Konservierungsergebnisse erbrachten Epoxidharzmischungen ohne Lösemittel- und Füllstoffanteile. Wärmedehnung und Verformungswiderstand dieser Harze werfen jedoch Fragen hinsichtlich der langfristigen Effekte an den hiermit konservierten Schieferplatten bei freier Bewitterung auf. Daher wird derzeit mit Unterstützung des Instituts für Bauforschung (ibac) der RWTH Aachen erprobt, welche Mischungen verschiedener Acrylmonomere zu Polyacrylaten mit sehr geringem Verformungswiderstand polymerisiert werden können und wie diese Mischungen als Konsolidierungsmittel eingesetzt werden können. Ferner wird versucht, das Tränkungsverfahren zu optimieren, da manche Spalträume bisher nicht verfüllt werden konnten.

Can slate be conserved? Investigating the maintenance of a slate-covered wall in Goslar

Devonian slate was mined up to 1969 near Goslar and has traditionally been used for roofings and claddings. The middle grey to brown hue of the material is an important aspect of the old town of Goslar as UNESCO world heritage site. However, the practice of replacing damaged claddings with new, nearly black slate is changing the city’s appearance.
Thanks to the Deutsche Bundesstiftung Umwelt, an interdisciplinary project aims to develop and apply an exemplary method to consolidate the historic slate cladding of the Mönchehaus building. This article describes the steps to find appropriate consolidants and treatments.
The most promising results so far were achieved with mixtures of epoxy resins of low viscosity, without solvents or filler materials. However, the thermal expansion of these resins differs strongly from those of slate. This raises questions concerning the durability of epoxy-consolidated slate slabs under long-term atmospheric exposure.

Gerhard D’ham ist seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Werkstattleiter für die Restaurierung von Stein- und Keramikobjekte an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen. 1986-1995 Ausbildung zum Steinmetz und Bildhauer und Berufstätigkeit als Steinmetz im Bereich der Baudenkmalpflege; 1996-2003 Studium an der HAWK in mit dem Abschluss Diplomrestaurator; danach freiberufliche Tätigkeit als Steinrestaurator und Lehrbeauftragter an der HAWK für experimentelle Untersuchungen und Kennwertbestimmung an mineralischen Feststoffen.

Gerhard D’ham is research assistant and head of restoration workshop at the graduate conservation education programme for conservation of works of stone and ceramic at University of Applied Sciences and Arts, Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) since 2008. 1986-1995 apprenticeship and occupation as stonemason and sculptor; 1996-2003 studies of conservation at HAWK; after obtaining diploma he worked as a freelancer in several restoration and research projects and as assistant lecturer at HAWK in the field of experimental investigations and measurements of characteristic values of porous mineral materials.

- Gerhard D´ham, Nicole Riedl-Siedow: HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Fakultät Bauen und Erhalten
- Rolf Niemeyer, Bernhard Recker, Cordula Reulecke, Erwin Stadlbauer, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege
- Frank Schlütter, Amtliche Materialprüfanstalt der Freien Hansestadt Bremen, Baustoffmikroskopie
- Beate Skasa-Lindermeir, Skasa-Restaurierung
- Angela Ehling, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
- Antje Rinne, Materialuntersuchungen im Bestand und Zentrum für Materialkunde von Kulturgut
- Oliver Weichold, ibac Institut für Bauforschung, Bauwerkserhaltung und Polymerkomposite, RWTH Aachen

Dipl.-Rest. (FH) Gerhard D’ham, Prof. Dr. Dipl.-Rest. Nicole Riedl
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fakultät Bauen und Erhalten,
Bismarckplatz 10
D-31135 Hildesheim
+49 5121.881385
gerhard.dham@hawk-hhg.de