Tagungsbeitrag

Peez, Marc:

Von trocken zu feucht – Fallbeispiele aus dem Rheinland

Beim Landeskonservator Rheinland stand das Raumklima in Kirchen spätestens seit der Einrichtung der Restaurierungswerkstatt 1953 im Fokus bei der Beratung der Kirchengemeinden. Über Jahrzehnte hinaus bestimmte das Streben nach möglichst konstanten klimatischen Bedingungen die Empfehlungen der Denkmalpflege allgemein, ausgelöst durch teils massive Schäden an Bau und Ausstattung aufgrund falscher oder zu starker Beheizung. Gelöste Farbfassungen und starke Verschmutzung galt es zu verhindern und zu beheben, Hauptproblem war eine zu starke Austrocknung in den Wintermonaten. Dies führte einerseits zum Einbau von Windfängen, Schutzverglasungen, Vitrinen, neuen Heizsystemen und zur Verbreitung allgemein gültiger Empfehlungen zu Raumklima und Regelung der Heizungen, andererseits galt das Kirchengebäude ganz ohne Heizung als Ideal (Kölner Dom).
Seit etwa 15 Jahren rückt jedoch zu hohe Feuchtigkeit mehr und mehr in den Vordergrund, heute stellt eine Kirche ohne Schimmelbefall die Ausnahme dar. Lüftung (häufig automatisiert) wird immer wichtiger, sind doch Luftbewegung und Luftwechselrate durch die Maßnahmen der Vergangenheit häufig auf ein Minimum reduziert.
Der Beitrag thematisiert anhand von Fallbeispielen den Wechsel von zu trocken hin zu feucht und das hiermit verbundene Umdenken in der Beratungstätigkeit der Denkmalämter.

Dipl.-Rest. Marc Peez hat an der FH Köln studiert und arbeitet seither beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, wo er 2004 die Leitung der Restaurierungswerkstatt für organische Materialien übernahm. Sein Hauptforschungsgebiet sind mittelalterliche Skulpturen und Altarretabel.