Tagungsbeitrag

Löther, Thomas; Kalisch, Uwe:

Der Einfluss klimatischer Umgebungsbedingungen auf das Schimmelwachstum in Orgeln - Ergebnisse des DBU / BBR Projekts

Die Wachstumsbedingungen von Schimmelpilzen in und an Orgeln werden wie bei allen Organismen von der verfügbaren Feuchtigkeit und den Umgebungstemperaturen bestimmt. Daraus leitet sich ab, dass insbesondere die den Schimmelpilz umgebende relative Luftfeuchtigkeit in Orgelgehäusen und die Lufttemperatur wichtige Einflussgrößen sind. Aus diesem Grund wurden in dem vorliegenden Projekt (DBU AZ31242 – 45, BBR SWD–10.08.18.7–14.16) gezielt raumklimatisch relevante Fragen gestellt und an den 20 Vertiefungsobjekten parallele Messungen der relativen Luftfeuchte und der Lufttemperatur in den Orgelgehäusen und den Kirchenschiffen mit schimmelbelasteten und unbelasteten Kirchenorgeln (vor allem in Mitteldeutschland) durchgeführt. Ergänzt wurden die Klimamessungen durch eine punktuelle Erfassung von Oberflächentemperaturen in den Orgeln sowie des Außenklimas.
Im Ergebnis der Klimamessungen über ca. einen Jahresverlauf bestätigte sich die Abhängigkeit in der Mehrzahl der Fälle, dass in Kirchen mit hoher relativer Luftfeuchte und entsprechenden Umgebungstemperaturen Schimmelwachstum verstärkt auftrat und in Kirchen mit niedriger relativer Luftfeuchte dies nur eingeschränkt zu beobachten war. Ebenso zeigte sich, dass in den Orgelgehäusen, in denen in verschiedener Höhe eine Klimamessung erfolgte, die Luft im oberen Orgelgehäuse trockener und wärmer war, was wiederum mit einer geringeren Schimmelausbreitung korrelierte. Die Vergleichsmessungen zwischen den Kirchenräumen und den Orgelgehäusen belegen, dass sich nutzungsbedingte Einflüsse auf den Kirchenraum durch größere Personenzahlen oder die Inbetriebnahme von Heizungen zeitversetzt auf die Orgelgehäuse auswirken und Temperaturerhöhungen zu einer anfänglichen Erhöhung der relativen Luftfeuchte im Orgelgehäuse führen. Für die Bewertung des Einflusses der relativen Luftfeuchte und Lufttemperatur auf Orgeln ist daher die Erfassung dieser Größen in den Orgelgehäusen unumgänglich.
Ein exemplarisches Gegenbeispiel einer Kirche mit relativ hoher Luftfeuchte und nur geringem Schimmelbefall belegt aber auch, dass die umgebenden Raumklimabedingungen nicht die allein bestimmenden Faktoren sind, die zwangsläufig zu einer Schimmelbesiedlung in der Orgel führten.
Die separate Auswertung der Klimadaten aus den Orgelgehäusen zeigte aber auch, dass sich daraus nicht die notwendige Eingrenzung der Wachstumsbedingungen und phasen des Schimmels mit der notwendigen Schärfe ableiten lässt. Erst die Korrelation der Klimaaufzeichnungen aus den Orgelgehäusen mit den im Labor bestimmten Wachstumsbedingungen der jeweiligen Organismengruppen ermöglicht sehr konkrete Aussagen über Zeiträume und raumklimatische Situationen, unter denen die Bedingungen für Schimmelwachstum vorliegen. Dies hat ebenfalls direkten Einfluss auf die Ursachenforschung hinsichtlich der Zunahme der Schimmelbesiedlung in einer Vielzahl von Orgeln. So trägt das Zusammenführen der Klimadaten und Wachstumsbedingungen zu einem ersten tieferen Verständnis der klimatischen Einflussfaktoren als ein Teil verschiedener Ursachen bei.
Es offenbart sich nun, dass nur sehr geringfügige Veränderungen der relativen Raumluftfeuchte und Temperatur in den Orgelgehäusen zur drastischen Verbesserung der Wachstumsbedingungen bereits beigetragen haben oder zukünftig beitragen könnten. Die im hier vorgestellten Forschungsprojekt entwickelten Bewertungsmethoden ermöglichen nicht nur eine rückwirkende Betrachtung der Entwicklung der Wachstumsbedingungen für den Schimmel, sondern auch eine Abschätzung der Auswirkung zukünftiger nutzungs- oder umweltbedingter raumklimatischer Veränderungen.

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Löther ist Zimmermann und studierte später Bauingenieurwesen, mit der Vertiefung auf Hochbau / Bausanierung. Seit 2006 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e. V. (Aufgabengebiet: bauklimatische, bauphysikalische, baukonstruktive Untersuchungen und Beratungen; Beratung zur präventive Konservierung; Mitarbeit an Forschungsprojekten)